Deutsche Gesellschaft für Phlebologie

Rückblick auf den Anfang 

in Anlehnung an: G. G. Hohlbaum, Phlebologie 1997
W. Schneider (2) und G. Wesener (3) haben 1997 an die Gründung und die Entwick­lung unserer Gesellschaft erinnert. Schneider wies auf die »sich im Schoße der Gesellschaft« vollzogenen Fort­schritte hin: Beendigung des Streites zwischen Operateuren und Sklero­therapeuten, Vertiefung und Freund­schaft in der internationalen Zusam­menarbeit und die Erstellung eines Kataloges für die Zusatzbezeichnung Phlebologie. Wesener gab einen ge­schichtlichen Überblick, gedachte u. a. auch des Vereins der Spezialärzte für Beinleiden (1909-1934). Er schilderte die Leistungen und die Tagungen der Arbeitsgemeinschaft und späteren Ge­sellschaft, auf deren Gründungsge­schichte im folgenden näher eingegan­gen werden soll.

Zuerst stellt sich die Frage: Wie kam es zu der Bezeichnung »Arbeitsgemein­schaft«. Prof. M. Ratschow - er war Mitherausgeber des ersten Kongreß­bandes - wies bereits 1953 (1) darauf hin, daß die Angiologie ein Gebiet der wissenschaftlichen Medizin ist, deren Ergebnisse den Kranken aller Fach­gebiete gleichermaßen zugute kommen müsse »ohne daß wir Spezialisten für Angiologie bekommen«.

Die Herausgeber F. Jaeger, E. Krieg, M. Ratschow und der Schriftleiter P. Matis schrieben im Vorwort des 66 Seiten umfassenden Kongreßbandes der ersten Tagung (4): »Die Konsti­tuierung einer deutschen Arbeits­gemeinschaft für Venenerkrankungen (Phlebologie) trägt einer Entwicklung Rechnung, die in den anderen Ländern (Benelux, Frankreich) bereits einge­schlagen worden ist. Die Wahl einer >Arbeitsgemeinschaft< zur besseren Durchdringung der vielen offenen Fra­gen, auch bei den Venenerkrankungen, verzichtet bewußt auf die Gründung einer Gesellschaft. Der weiteren Spal­tung des Herz- und Kreislaufgebietes soll und muß entgegengetreten werden. Andererseits wollen Spezialfragen eine besonders eingehende Erörterung und Pflege haben, für die eine Arbeits­gemeinschaft speziell Interessierter den erwünschten Kreis bildet. Man muß sich nur dessen bewußt bleiben, daß erst in der Zusammenarbeit von Ar­beitsgemeinschaften Herz - Arterien - Kapilläres System und Venen die Er­füllung der sich stellenden Aufgaben liegen kann.«

Prof. H. W. Pässler eröffnete die dritte Tagung am 6. Juni 1958 in Lever­kusen mit einem Vortrag zu dem Thema »Warum brauchen wir Arbeits­gemeinschaften« (5): »Diese speziellen Fachtagungen streben eine gründli­chere Fortbildung ihrer Interessenten an, als sie die großen nationalen Fach­gesellschaften zu bieten vermögen.« Er bedauerte die aufgrund der enormen Entwicklung in der Medizin notwendig gewordene Schwerpunktbildung und meinte: »Auch die Mammutkongresse kämen aber wahrscheinlich wieder auf ein vernünftiges und erträgliches Maß, wenn sich ihre Veranstalter entschlie­ßen könnten, nur ganz wenigen Haupt­themen mit wirklich bedeutenden Fragestellungen Raum zu geben ... Ar­beitsgemeinschaften sehen ihre Auf­gabe darin, in kleinem Kreise reine For­schung und Wissenschaft ebenso zu Wort kommen zu lassen wie die prakti­sche Erfahrung.« In seiner Begrüßungs­ansprache zur 4. Tagung am 25./26. Sep­tember 1959 in Freiburg sagte E. Krieg (6): »Ich habe niemals einen Hehl dar­aus gemacht, daß uns eine Separierung fernliegt, daß uns vielmehr das Ziel vor Augen schwebt, die einmal systema­tisch aufgebaute Phlebologie als Bau­stein in das große Gefüge der Gefäß­erkrankungen einzusetzen.«

Die Grund- bzw. Gründungsgedan­ken waren, durch Beschränkung auf die Bezeichnung Arbeitsgemeinschaft eine Separierung zu vermeiden, Wissen­schaft und Praxis in gemeinsamer Fort­bildung zu vereinen und die Phlebolo­gie der Zukunft in das große Gebiet der Gefäßkrankheiten einzubinden. Wenn dieses letzte Anliegen (noch) nicht erreicht wurde, so liegt dies sicher auch an der bereits von Pässler erwähnten enormen und nicht mehr überschauba­ren Entwicklung der gesamten Medizin. Das von den Gründern unserer Gesell­schaft angestrebte Ziel, der physiologi­schen Einheit der Gefäße Rechnung zu tragen, sollte jedoch nicht in Vergessen­heit geraten.

Die Initiatoren unserer Gesellschaft Erich Krieg und Gunnar Olsen haben seit etwa 1954 einen Zusammenschluß deutscher Phlebologen erwogen. Nach 1956 geführten Gesprächen mit R. Tournay in Frankreich und H. v. d. Molen in Holland fand zu Beginn des Jahres 1957 ein gemeinsames Treffen dieser Herren in Freiburg statt, welches von der Firma Varitex, vertreten durch Stolk und de Klerk, gesponsert wurde (3). Bei dieser Zusammenkunft ist die Gründung einer phlebologischen Inter­essengemeinschaft und die Durchfüh­rung der ersten Tagung besprochen worden, die, organisiert von G. Olsen, am 23./24. März 1957 im Hotel Frank­furter Hof in Frankfurt stattfand. Trotz aller Bemühungen Olsens war es nicht gelungen, Hochschullehrer für diese Tagung zu gewinnen, so daß außer Herrn Jäger, damals Chefarzt der Chir­urgischen Klinik Ludwigshafen, nur etwa 30-35 Ärzte der Praxis teilweise mit Damen teilnahmen. (3). Leider st keine Teilnehmerliste erhalten. Auf dieser Tagung wurde einstimmig die Gründung einer »Deutschen Arbeits­gemeinschaft für Phlebologie« be­schlossen, der sich auch österreichische Kollegen anschlossen.

In seiner Begrüßungsansprache (4) wies Prof. F. Jaeger auf die große Be­deutung einer internationalen Zusam­menarbeit phlebologisch interessierter Kollegen hin und R. Tournay begrüßte mit besonderer Herzlichkeit die Teil­nehmer: »Ich wollte kommen, um Ihnen die Grüße unserer Gesellschaft. Ihrer älteren Schwester, zu überbrin­gen. Diese Societe fran~aise de Phlebologie ist jetzt 10 Jahre alt. Sie ist - wie alle unter Ihnen, die mit ihr in Paris oder sonst in Verbindung stehen, wis­sen - voll blühender Kraft und sicher eine der lebendigsten unter den medizi­nischen Gesellschaften. Ich bin sicher, daß Ihre deutsche Gesellschaft die gleiche Entwicklung erwarten darf. Von ganzem Herzen wünsche ich dies!«

Die Tagung begann mit einem Vor­trag von E. Krieg über Wesen und Bedeutung der Phlebologie: »Es ist ein bedeutungsvoller Tag, da hier zum ersten Male in der Geschichte der deut­schen Medizin Phlebologie öffentlich in Erscheinung tritt und phlebologisch interessierte und tätige Ärzte nicht nur zur persönlichen Kontaktaufnahme und Aussprache zusammenführt, son­dern sie vielmehr aufruft, ihrer Arbeit eine gemeinsame Basis und zweckmä­ßige Form zu geben. Bewußt ist unser Kreis zunächst ausgewählt und klein gehalten; es schien gut, fürs erste zu sondieren und grundsätzliche Fragen zu klären. Lösen wir sie, dann ist es kaum zweifelhaft, daß wir in Zukunft weitere Kreise erfassen werden. Ich bin mir voll bewußt, daß ich - als ich die Anregung zu dieser Arbeitstagung gab - ohne die tatkräftige Unterstützung von Herrn Prof. Jaeger und ohne die Organisa­tionsleistung von Herrn Dr. Olsen nicht zum Ziele gekommen wäre. Ihnen gebührt unser besonderer Dank.« Am Ende der Tagung äußert Krieg die Hoffnung »daß wir durch diese Tagung bereichert die Überzeugung mitneh­men, daß mit der äußeren Form einer Arbeitsgemeinschaft auch eine innere Bindung besteht, die uns vertrauensvoll in die Zukunft blicken läßt.« - Die zweite Tagung am 12./13. Oktober 1957 in Frankfurt wurde von etwa 200 Teil­nehmern besucht (5).

Das erste Mitgliederverzeichnis stammt aus dem Jahr 1959 (Abb.) und weist 103 Mitglieder aus (5). In dem zweiten, 1960 erschienenen (6) sind 106 Mitglieder genannt. Wie ein Ver­gleich der beiden Verzeichnisse zeigt, sind hier Fehler unterlaufen. 17 neuen Namen* stehen 9 fehlende gegenüber, unter denen sich auch noch zwei heu­tige Mitglieder (Laue und Schmitz) finden.

Die Zahl der Mitglieder stieg 1965 auf 236, 1972 auf 431, 1977 auf 600 usw. Nur mit Abänderung der Zahl gelten G. Weseners Sätze auch heute noch: »Abschließend kann daher festgestellt werden, daß in den vergan­genen 40 Jahren des Bestehens unserer Gesellschaft sich aus bescheidensten Anfängen eine große wissenschaftliche Gesellschaft entwickelt hat« (3).

Literatur

  1. Ratschow M. Die peripheren Durchblutungs­störungen. Dresden - Leipzig: Steinkopff. 5. Auflage, 1953.
  2. Schneider W. Phlebologie heute. Phlebol u Proktol 1977: 6: 164-4.
  3. Wesener G. Zur Geschichte der deutschen Phlebologie. Phlebol u Proktol 1977: 6: 165-9.
  4. Jaeger F, Krieg E. Ratschow M (Hrsg). Ver­handlungen der Deutschen Arbeitsgemein­schaft für Venenerkrankungen (Phlebologie). Stuttgart: Schattauer 1957.
  5. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Phlebolo­gie (Hrsg.). Kongreßberichte, Publikationen, Mitgliederliste 1957/59. Stuttgart: Schattaucr 1959.
  6. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Phlebolo­gie (Hrsg.). Kongreßberichte, Publikationen. Mitgliederliste 1960. Stuttgart: Schattauer 1960.

Anschrift des Verfassers:Dr. med. G. G. Hohlbaum Facharzt für Chirurgie, Sengenholzer Weg 4, D-45219 Essen

Anzahl der Mitglieder:

Jahr/Mitglieder
1959 : 103
1965 : 236
1972 : 431
1977 : 600
2006 : 1.400

Jahrestagungen

#Ort und JahrKongressleiter
1. Frankfurt 1957 Dr. med. G. Olsen
2. Frankfurt 1957 Dr. med. G. Olsen
3. Leverkusen 1958 Prof. Dr. med. H. W. Pässler
4. Freiburg 1959 Dr. med. E. Krieg
5. Ludwigshafen 1960 Prof. Dr. med. F. Jäger
6. Salzburg 1961 Dr. med. W. Rotter
7. Hamburg 1962 Dr. med. U. Ellerbroek
8. Tübingen 1963 Prof. Dr. med. W. Schneider
9. Aachen 1964 Dr. med. G. Wesener
10. Wiesbaden 1965 Prof. Dr. mcd. H. Grimmer
11. Wien 1966 Prof. Dr. med. A. Wiedmann
12. Essen 1967 Prof. Dr. med. N. Klüken
13. Berlin 1969 Prof. Dr. med. H. Teller
14. Bad Nauheim 1970 Dr. med. U. Demhowski
15. Augsburg 1972 Prof. Dr. med. W. Nikolowski
16. Marburg 1973 Prof. Dr. med. Friedrich
17. München 1975 Prof. Dr. med. H. Ludwig
18. Bad Salzuflen 1976 Prof. Dr. med. K. Salfeld
19. Wien 1977 Prof. Dr. med. R. Santler
20. Essen 1978 Prof. Prof. h. c. mult. Dr. med. Dr. h. c. N. Klüken
21. Innsbruck 1979 Univ-Doz. Dr. med. R. May
22. Kopenhagen 1980  
23. Frankfurt 1981 Priv.-Doz. Dr. med. W. Hach
24. Hamburg 1982 Dr. med. W. Stegmann
Dr. med. U. Ellerbroek
25. Brüssel 1983  
26. Tübingen 1984 Prof. Dr. med. H. Fischer
27. Salzburg 1985 FOA Dr. med. N. Zinnagl
28. Münster 1986 Dr. med. H. Altenkämper
29. Essen 1987 Prof. Prof. h. c. mult. Dr. med. Dr. h. c. N. Klüken
30. Aachen 1988 Prof. Dr. med. V. Wienert
31. Straßburg 1989 »Internationale Tagung«
Dr. med. R. Stemmer
32. Darmstadt 1990 Prof. Dr. med. Th. Wuppermann
33. Frankfurt/M. 1991 Prof. Dr. med. W. Hach
34. Norderney 1992 Prof. Dr. med. W. Lechner
35. Ulm 1993 Dr. med. Dagmar Berg
36. Recklinghausen 1994 Prof. Dr. med. Maria Zabel
37. Bamberg 1995 Dr. med. L. Schimmelpfennig
38. Berlin 1996 Prof. Dr. med. U. Schultz-Ehrenburg
39. Bonn 1997 Priv.-Doz. Dr. med. E. Rabe
40. Tegernsee 1998 Prof. Dr. med. habil. M. Marshall
41. Bremen 1999 Prof. Dr. med. W. Lechner,
Priv.-Doz. Dr. med. E. Rabe,
Dr. med. H. Gerlach
(zusammen mit Europäischer Tagung UIP)
42. Fulda 2000 Dr. med. U. Ehresmann
43. Bad Krotzingen 2001 Prof. Dr. med. W. Vanscheidt
44. Mannheim 2002 Dr. med. H. Gerlach
45. Nürnberg 2003 Dr. med. Th. Noppeney
46. Recklinghausen 2004 Prof. Dr. med. Maria Zabel
47. Köln 2005 Dr. med. H.J. Hermanns
Dr. med. B.J. Bulling
Dr. med. M. Camci
Dr. med. G. Gallenkemper
Dr. med. P. Waldhausen
48. Rostock 2006 Prof. Dr. med. M. Jünger
49. Heidelberg 2007 Prof. Dr. med. Th. Pröbstle
50. Bochum 2008 Prof. Dr. med. M. Stücker
51. Monaco 2009 Prof. Dr. med. Eberhard Rabe
52. Aachen 2010 Prof. Dr. med. Marianne DeMaesener, Dr. med. Felicitas Pannier,
Dr. Anja Sommer, Dr. med. Jutta Schimmelpfennig
53. Berlin 2011 Dr. Ingo Flessenkämper
54. Lübeck 2012 PD Dr. med. Birgit Kahle
55. Hamburg 2013 Dr. med. Guido Bruning, Dr. med. Christoph Bernheim
56. München 2014 Dr. med. Franz Xaver Breu, Dr. med. Stefan Guggenbichler, Dr. med. Hesse, Dr. med. Holger Kluess

DGP Jahrestagung 2016 Dresden

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie findet vom 7.-10.9.2016 in Dresden unter dem Motto „Wissen schaf(f)t Brücken“ statt.

www.angio-phlebo-logie-2016.net

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