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Wissenschaftspreise

Die DGP verleiht in Kooperation mit Partnern aus der Industrie traditionell im Rahmen der Jahrestagung verschiedene Wissenschaftspreise

Die für den Kongress gebaute begehbare VeneDie für den Kongress
gebaute begehbare Vene

pdfProgramm 53. DGP-Jahrestagung1.23 MB

Autoren der Webzusammenfassung Franz Xaver Breu, Norbert Frings, Karsten Hartmann, Holger Kluess, Axel Kuschmann, Gerd Lulay, Anya Miller, Stefanie Reich-Schupke, Lutz Schimmelpfennig, Didi Stenger, Federico Tató

Diese Zusammenfassung soll denjenigen, die an der Phlebologie interessiert sind, aber nicht die Möglichkeit hatten, an der 53. Jahrestagung der DGP teilzunehmen, eine Möglichkeit bieten, sich einen Eindruck von der Vielfalt der Sitzungen und Themen zu machen. Eine solche Zusammenfassung ist immer subjektiv und unvollkommen. Auch war es nicht allen Vorsitzenden möglich, sich hier zu beteiligen, weshalb sicherlich auch Lücken bestehen. Dieses Angebot soll und kann einen Kongressbesuch eben nicht ersetzen. Den geneigten Leserinnen und Lesern – auch denen, die bei der Tagung anwesend waren – wünsche ich dennoch viel Spass und Erkenntnis.
An dieser Stelle möchte ich den o.g. Autoren, die mich wesentlich unterstützt haben, ganz herzlich danken.

I. Flessenkämper

Die 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie ist Geschichte. Vom 12. bis 15. Oktober 2011 trafen sich die Mitglieder der DGP und viele, die sich für dieses Fachgebiet interessieren, im Hotel Andel‘s in Berlin. Passend zu dem Motto „Fortschritt durch Vielfalt“ trafen sich Interessierte aus den unterschiedlichsten medizinischen Gebieten, um sich fort- und weiterzubilden oder ihre Ideen in intensiven Diskussionen zu prüfen.

Schon im Vorfeld hatte am Montag für die Berliner Bevölkerung ein Patiententag statt gefunden, an dem sich Teilnehmer über phlebologische Krankheitsbilder informieren konnten. Auch Vorsoreuntersuchungen wurden angeboten. Im Foyer der Urania in Berlins geographischer Mitte konnte ein erster Blick auf die für den Kongress gebaute begehbare Vene geworfen werden.

DrFlessenkaemperRede ThumbKongresspräsident Dr. I. Flessenkämper
bei der Eröffnung

Am Mittwoch fanden dann die Kurse statt, bei denen sich zum Beispiel jeweils weit über hundert Anwesende im Crash-Kurs mit der Phlebologie vertraut machen oder im Up-Date auf den neuesten Stand bringen lassen wollten.

Aus dem Crash-Kurs Phlebologie berichtet K.Hartmann:
Die Sitzung war sehr gut besucht, es wurden Basics zum Thema "Anatomie und Diagnostik der Varikosis mit den verschiedenen Therapieoptionen erläutert (auch aktuelle endovenöse Verfahren wurden präsentiert). Weiterhin wurden die Diagnostik der Thombose und Phlebitis mit den derzeitig gültigen Therapieschemata erklärt. Auch das Lip/Lymphödem und die Grundlagen der Kompressionstherapie wurden den interessierten Zuhörern näher gebracht.
Auch ein OP-Kurs und der spezielle Laser-Kurs zur Therapie von Malformationen gehörten zum Kursprogramm des Kongresses.

Am Mittwochabend wurde dann der wissenschaftliche Teil des Kongresses eröffnet. Bei den Reden zur Eröffnung des Kongresses bezog sich der Kongresspräsident auf die Vielfalt der Phlebologie und ihre Entsprechung in der gesellschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten. Vielfalt und Fortschritt können sich nur in einem Klima der Toleranz und des gegenseitigen Respekts zum Vorteil des Ganzen entwickeln.

Prof.-E thumbProf. E. Rabe, der Präsident der DGP,
ging auf die wissenschaftliche
Vielfalt des Fachs ein.

Dr. von Lucadou bei seiner Festrede zu Chaos und Psyche Dr. von Lucadou bei seiner
Festrede zu o.g. Thema

Der Präsident der DGP Prof. Rabe griff dann das Motto des Kongresses ebenfalls auf und führte die Vielfalt des Faches in wissenschaftlicher Hinsicht aus.

und fand hier ihre Entsprechung in einem Festvortrag über die Vielfalt des Denkens, die von Dr. von Lucadou, dem Direktor der parapsychologisschen Beratungsstelle aus Freiburg mit seinem Vortrag „Chaos und Psyche“ im Bereich der wissenschaftlichen Parapsychologie ausgelotet wurde.

Untermalt wurde die Eröffnungsveranstaltung von dem Ausnahmepianisten Hartmut Leistritz, der mit Stücken von Chopin begeisterte. Danach gab es ein Stell-dich-ein in der Industrie mit vielen Gesprächen, untermalt von Saxophon-Musik.

Bei dieser Eröffnungsveranstaltung wurden die Bauerfeind- und Hartmannpreise vergeben.

Preisträger waren:

Bauerfeindpreise:

Cand med.Gesine Schönitz, Universität Greifswald
Cand. med. David Fischer, Universität München

Hartmannpeise:

Dr. med. Joachim Klode, Essen
Dr. med. Torsten Willenberg, Bern

…von der Stiftungsfirma Bauernfeind, Prof. M. Jünger, Cand. med. David Fischer, Cand med.Gesine Schönitz, Prof. E. Rabe, Dr. A. Hermanns …von der Stiftungsfirma Bauernfeind,
Prof. M. Jünger, Cand. med. David Fischer,
Cand med.Gesine Schönitz,
Prof. E. Rabe, Dr. A. Hermanns
Dr. J. Klode, Prof. E.Rabe Dr. J. Klode, Prof. E.Rabe Frau K.May von der Stiftungsfirma Hartmann, Dr. T. Willenberg, Prof. E. Rabe Frau K.May von der Stiftungsfirma
Hartmann, Dr. T. Willenberg, Prof. E. Rabe

 

Am Donnerstag begann das wissenschaftliche Programm mit den hervorragend besuchten Ask-the-Expert Runden, in denen kurze Falldarstellungen zur Diskussion anregten. Auch mitgebrachte Fälle und Probleme wurden mit den Experten heiß diskutiert.

Einige Berichte aus diesen Sitzungen geben einen guten Einblick in die dortigen Diskussionen.
Bei „Ask the experts 3 – Sklerotherapie das suboptimale Ergebnis“ hatten Axel Kuschmann und Jutta Schimmelpfennig den Vorsitz. Die erhofften Problemfragen zur Thematik durch Anwesende gab es leider nicht. Nachdem man sich durch die einleitenden Bemerkungen von Herrn Kuschmann bzgl. des recht modernen Wortes „suboptimal“ dahin verständigt hatten, dass hier nicht die euphemistische Bedeutung im Sinne  - extrem ungünstig -, sondern die Bedeutung  - nicht ganz perfekt, nicht optimal- verstanden werden sollte und die Fehler durch Nichtbeachtung von Kontraindikationen bzw. falscher Einschätzung von relativen Kontraindikationen außer Acht gelassen werden sollten, gab es rege Diskussionen zum Matting und zur Pigmentierung.

Dr. A. Kuschmann und Dr. J.Schimmelpfennig in heißer Diskussion beim ask the experts Dr. A. Kuschmann und Dr. J.Schimmelpfennig
in heißer Diskussion beim ask the experts

Beim Matting gab es in der Zusammenfassung der Diskussionsreden wie folgt keinen Widerspruch: Matting scheint bei bestimmten Patienten unvorhersehbar aufzutreten. Es tritt bei einem bestimmten Patienten nicht an fast jeder Stelle auf, sondern wohl nur an bestimmten Stellen, hier scheint die Methode, mit der die Krampfader ausgeschaltet wird, eine untergeordnete Rolle zu spielen. Wiederholungssklerosierungen einschließlich Polidocanol-Quaddelungen können versucht werden, da sie manchmal erfolgreich sind. Das Entstehen einer kleinen Nekrose bei Besenreiser-Sklerosierungen wurde nur kurz diskutiert, hier gab es zur allgemeinen Lehrmeinung nichts Neues.
Am ausführlichsten wurde die Pigmentierung diskutiert. Herr Kuschmann stellte seine Erfahrung zur Diskussion, dass Pigmentierungen niemals auftreten, wenn der Abstand der Venenwand von der Hautoberfläche  größer ist als  ihr eigener Durchmesser. Andererseits können Pigmentierungen auftreten, wenn die Vene dichter als der eigene Durchmesser  unter der Hautoberfläche liegt, dies ist aber nicht obligat.
Frau Schimmelpfennig wies nochmal bzgl. der Pigmanorm-Anwendung darauf hin, dass hier nur alle 2 Tage über mehrere Monate hin eingerieben werden sollte.
Es gab Kollegen, die sehr gute Erfahrung bei der Behandlung von Pigmentierungen mit Trio A (früh) und Trio E (abends) Salbe hatten. Firma LED, Kosten etwa 60 € pro Monat.
Zusammenfassend konnte Herr Kuschmann unwidersprochen feststellen, dass die Pigmentierungen vielleicht das Hauptproblem der Sklerosierungsbehandlung sind.
In den dann folgenden wissenschaftlichen Sitzungen konnte auf hohem wissenschaftlichem Niveau der neuste Stand vergleichender Studien zu den verschieden Therapieformen der Varikosis gehört werden. Das Bild zur Bewertung endoluminaler Methoden im Vergleich zur offen operativen Therapie der Varicosis bekommt Konturen. Diese Diskussion hat nicht nur die wissenschaftliche Auseinandersetzung im direkten Vergleich hervor gebracht, sondern auch die wissenschaftliche Anstrengung zur Erforschung der therapeutischen Methoden in der Phlebologie generell befördert.

Ein gut besetztes Plenum und heiße Diskussionen zu den Studien zur Varizentherapie Ein gut besetztes Plenum und heiße
Diskussionen zu den Studien zur
Varizentherapie
Eng beieinander liegende postoperative Schmerzwerte für diverse therapeutische Ansätze zur Varizentherapie (W. Hoch) Eng beieinander liegende postoperative
Schmerzwerte für diverse therapeutische
Ansätze zur Varizentherapie (W. Hoch)

W. Hoch konnte in einer Hannoveraner Registerstudie zu den verschiedenen Therapieformen der Varicosis zeigen, wie nah die verschiedenen Ansätze beim Patientenkomfort beieinander liegen. Es wird schwierig sein, hier für eine Methode bahnbrechende Vorteile zu beweisen. Sicher ist, dass hier keine diesbezüglichen Behauptungen egal zu welcher Methode ohne wissenschaftliche vergleichende Studien mehr akzeptabel sind.

 

Neue Erkenntnisse zur Therapie vaskulärer Wunden waren ebenso Thema wie solche aus der Grundlagenforschung über die Thrombophlebitis und die Kompression bis hin zur Erforschung enzymatischer Einflüsse auf die Wandspannung und das Remodelling variköser Venen.

Dr. A. Obermayer stellte Paradigmen zur arteriellen Durchblutung in Frage Dr. A. Obermayer stellte Paradigmen
zur arteriellen Durchblutung in Frage

Zum Ulcus cruris mixtum hielt Alfred Obermayer zusammenfassend fest: wird bei einem Patienten mit einem venösen Ulcus cruris bei einer gründlichen Untersuchung ein fehlender Fußpuls, ein reduzierter Knöchelarmdruck, etc . letztlich eine chronische pAVK  festgestellt, so rückt diese Erkenntnis traditionell in den Vordergrund der Therapieoptionen, obwohl diese klinisch stumm ist oder sich "nur" als Claudicatio äußert. Hier sah er die Option, die Ulcustherapie dennoch ohne Revaskularisation zu versuchen.

In der Sitzung zur venösen Thrombembolie spannte sich der Bogen vom Risikofaktor Tumor über Formen und Bedeutung der Thrombophilie bis zur Inzidenz des PTS 3 Jahre nach einer tiefen Venenthrombose, dargestellt durch das Tulipa-Plus-Register. Ergänzt wurde das Thema durch Vorträge zu den modernen Antikoagulanzien und zum Spannungsfeld zwischen antikoagulatorischer Wirkung und Blutungsneigung durch Einsatz nicht steroidaler Antirheumatika, ASS und anderer Thrombozytenaggregationshemmer.

 

Die Schaumsklerosierung wurde in 2 Sitzungen auf den Prüfstand gestellt. Es wurde viel über Einsatz, Applikationsformen und Mengen, sowie Nebenwirkungen gesprochen.

Herr Breu als Vorsitzender stellte heraus, dass auch J.L. Gillet betonte, dass die zentralneurologischen Komplikationen bei der Schaumsklerosierung überwiegend Migräneäquivalente sind. B. Partsch beschrieb in seinem Vortrag ausgezeichnete Ergebisse. Hier ist zu betonen, dass diese mit einem CO2/O2-Schaum gewonnen wurden. Frau B.Kahle beschrieb die neue Methode der Schaumsklerosierung unter perivasaler Kompression mit einer Tumeszenzlösung, eine neue sehr erfolgversprechende Methode. Herr D. Boersma stellte die neu entwickelte Methode ClarVein vor. Dabei wird mit einem rotierenden Draht in einem Katheter eine Venenwandreizung erzeugt um die Wirkung des anschließend injizierten

Dr. F.X. Breu und Frau Dr. R. Murena bewiesen, dass sich Wissenschaft und Humor nicht ausschließen müssen.Dr. F.X. Breu und Frau Dr. R. Murena
bewiesen, dass sich Wissenschaft und
Humor nicht ausschließen müssen.

Sklerosierungsmittels zu verbessern. Gute erste Ergebnisse lassen auf weitere Untersuchungen hoffen. Auch die Bedeutung des Ersatzes von Luft durch CO² oder Gasgemische wurde durch F. X. Breu und andere thematisiert und auch heiß diskutiert. Eindeutige allgemeingültige Schlüsse warten noch auf eine wissenschaftliche Bestätigung.

In der Lymphologiesitzung, von Gerd Lulay und Anya Miller moderiert, waren interessante Aspekte aus der Bonner Venenstudie von F. Pannier zu erfahren, in der Lymphödeme bei 1,8 % der untersuchten Probanden gefunden wurden. In einer hoch interessanten Analyse aus Berlin wurde die Prävalenz einer lymphatischen Erkrankung in einem Kollektiv von 23.000 Patienten untersucht. Diese wurden in Zusammenhang zur Ko-Morbiditäten gesetzt, wodurch vermutete Zusammenhänge bestätigt, aber neue Co-Relationen beschrieben wurden. Auch das Spannungsfeld zwischen medizinischer Notwendigkeit und Krankenkassen-Realität wurde thematisiert. Der Unterschied zwischen GKV und PKV wurde klar benannt. Die häufigsten Kodiagnosen sind Hypertonie, Diabetes mellitus und Adipositas. Das bestätigt auch der Bedarf akut-stationärer Behandlungen. Eine Verbesserung der Schnittstelle zwischen Ambulanz und Klinik ist wünschenswert.

Die operative Behandlung von Lymphödemen durch Transplantationen ist nur für Patienten mit isolierten regionalen Veränderungen sinnvoll.

Dr. G. Lulay brach eine Lanze für die LymphologieDr. G. Lulay brach eine Lanze
für die Lymphologie

Unter dem Druck der neuen Therapieformen hat sich im Bereich der operativen Therapie der Varikosis viel getan. Wie die vorhandenen Zahlen in Vergleichsstudien gewertet werden, wurde in der von C. Schwahn–Schreiber und L. Schimmelpfennig moderierten Sitzung sehr kontrovers diskutiert. Neue Studienansätze zum Beispiel zur Hemmung der Neoangiogenese durch den Einsatz von Acetylsalicylsäure wurden vorgestellt.

Auch das Thema CCVSI fehlte nicht. Erwartungsgemäß wurde der Ansatz der endovaskulären Therapie jugulärer Venenstenosen bei Multipler Sklerose infrage gestellt, doch wurde überwiegend akzeptiert, dass man sich in der Phlebologie offen mit diesem Ansatz auseinandersetzen muss, der von den Patienten intensiv nachgefragt wird.


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